Von Integrationssprachkursen bis zum Theaterabend

Gleich zweimal ist Kolping hinter Gittern vertreten!
Hinter Gittern
„Ein bisschen mulmig ist es mir schon – die hohen Mauern, so viele verschlossene Türen und wer weiß, ob die Insassen Humor haben!“ sagte „Sexy Beast“ vor dem Auftritt in der JVA Würzburg zu ihren „Mafia-Kollegen“ aus aller Welt, den Mitgliedern der internationalen Theatergruppe Tschungulung. Eine Mafia-Komödie im Knast – kann das gut gehen?

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Und es wurde ein fulminanter Abend mit lang anhaltendem Schlussapplaus. Publikum wie Schauspieler hatten großen Spaß bei diesem Theaterauftritt in der Würzburger Justizvollzugsanstalt.

Zustande gekommen war der Kontakt zur Gefängnisleitung über die Integrationssprachkurse, die die Kolping-Akademie im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in der JVA schon seit längerem durchführt. Strafgefangene aus dem Ausland verbessern ihre Deutschkenntnisse, damit sie nach der Entlassung ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft erhöhen. Auf Wunsch der Kurteilnehmer in der JVA und der Kolping-Akademie wurde dann gemeinsam mit der Gefängnisleitung der Theaterabend mit „Parole Eichhörnchen“ organisiert.

Ein abgehalfterter Mafia-Boss will es noch einmal wissen und trommelt seine ehemaligen Kumpane aus aller Welt zu einem letzten „großen Ding“ zusammen. Gemeinsam wird auf der Bühne das „große Ding“ geplant und alles bestens vorbereitet. Gute Ratschläge dazu kommen diesmal auch aus dem Publikum! Arthur, der ängstliche, polnische Bühnen-Gangster soll sich nicht mehr alles gefallen lassen; die spanische Killer-Lady Carmen Tequila sollte ihre Temperamentsausbrüche besser zügeln, alle fühlen mit der „sanften, romantischen“ Russin Viola und man stimmt in den Gesang des italienischen „Singvogels“ Giovanni mit ein. Ja selbst die Rentnerin Frau Müller, die sich der Truppe anschließt, um auch mal was zu erleben, erntet Szenenapplaus, als sie stolz von ihrer kriminellen Erfahrung berichtet: Schwarz fahren, Morgenzeitung klauen und Rechnungen türken.

Als dann am Ende schließlich keine Bank, sondern das Publikum selbst überfallen wird, kennt das Gejohle keine Grenzen. „Das wollen wir erst mal sehen“, schallt es aus dem Publikum und mit Blick auf das Sicherheitspersonal „… wir sind hier doch gut bewacht!“ Der Überfall scheitert durch Verrat, die Gangster werden in einem Netz von zwei Polizisten gefangen, aber müssen mangels Beweisen wieder frei gelassen werden. Nach diesem Happy End kann man den rund 150 Zuschauern zu guter Letzt mit Recht einen „sicheren Nachhauseweg“ wünschen.

Veröffentlicht: 30.07.2010 | Dr. Sigrid Mahsberg


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