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Jugend-Armut ist ein…

Wir reden viel über junge Menschen, statt mit ihnen

Jugend-Armut ist ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft

Wir reden viel über junge Menschen, statt mit ihnen

Armut trifft… ist bei Kolping Schwerpunktthema im Rahmen der Kampagne gegen Armut in der Gesellschaft, mit denen sich katholische Verbände seit zwei Jahren mit verschiedenen Aktionen zu Wort melden. Kolping hatte mit einem Filmwettbewerb Jugendliche eingeladen, kreativ das Thema zu bearbeiten. Ergänzend zu dieser Aktion fand auch ein Podiumsgespräch mit Fachleuten aus Organisationen, Kommune und sozialen Verbänden im Kolping-Center Mainfranken statt.

Gunther Kunze, Fachbereichsleiter Familie und Jugend der Stadt Würzburg, der in Vertretung für die kurzfristig verhinderte Sozialreferentin Dr. Hülya Düber teilnahm, machte deutlich, dass Jugendarmut ein vielschichtiges Problem sei und es in der kommunalen Arbeit darum geht Angebote zu schaffen, um einen „tödlichen Kreislauf zu durchbrechen“.

Entscheidend für Carolin Vollmuth, die in der Aufsuchenden Erziehungsberatungsstelle im Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Würzburg-Zellerau tätig ist, ist Bildung und wirkliche Teilhabe von jungen Menschen an den Möglichkeiten, aus diesem zuvor erwähnten Kreislauf heraus zu kommen.

Dazu mahnte Stefan Seehaber von Streetwork Würzburg an, dass die Erwachsenenwelt jungen Menschen mehr Gehör schenken muss. „Wir reden meist über und nicht mit den Betroffenen“. Leider war es den Organisierenden an diesem Abend auch nicht gelungen, einen jungen Menschen als Teilnehmenden am Podium zu haben. Auch das war ein Manko.

Von der Kindertafel in Schweinfurt saß der Unternehmer und Politiker Stefan Labus in der Runde und forderte das gesunde Essen an den Schulen.  Dabei geht es darum, jungen Menschen, die oftmals ohne Frühstück zum Unterricht kommen und nicht nur an Ernährung unterversorgt sind, zu vermitteln, dass es hier um eine Grundversorgung geht um leistungsfähig zu sein und für die eigene Gesundheit zu sorgen. Die Kindertafel in Schweinfurt ist mit Ehrenamtlichen vor Ort tätig und setzt deutliche Akzente, die gestärkt werden müssten. 

Vom Jobcenter Würzburg nahm die Geschäftsführerin Manuela Burger teil, die viele fehlende Grundvoraussetzungen bemängelte, die im Elternhaus bereits bestehen: fehlende Tagesstruktur, gesundheitliche Defizite aufgrund unzureichender seelischer wie körperlicher Versorgung, fehlende oder mangelnde Schul- und Berufsbildungs-Abschlüsse. Viele solch junger Menschen fühlen sich in ihrer Situation allein gelassen. Sie umfängt vielfach das Gefühl: Für mich interessiert sich niemand!

Solche Dilemmas sind in unserem „reichen Deutschland“ eine Situation, vor der wir vielfach die Augen verschließen. Ein Armutszeugnis unserer Gesellschaft und unseres Sozialstaates.

Auf die Frage von Moderator Claus Schreiner, wo sich die Podiums-Teilnehmenden konkreten Handlungsbedarf wünschten, verdeutlichten sie, dass es darum ginge, jungen Menschen mehr zuzutrauen und zuzumuten, z. B. auch das Wahlalter mit 16 einzuführen, damit junge Menschen mehr mitreden und mitbestimmen. Auch müsse die Gesellschaft wie auch die Politik den Blick für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen schärfen, um das Thema Armut wirklich und tatkräftig „auf dem Schirm zu haben“. Dazu ist es dringend nötig mit den jungen Menschen und nicht über sie zu reden und diskutieren.